Zar kolokol - die Zarenglocke

[...] Man gab ihnen Namen und taufte sie wie einen Menschen bei seiner Geburt, brachte ihnen großzügige Geschenke und bestrafte sie wie Verbrecher bei Ungehorsam. So wurde im 16. Jahrhundert eine Glocke aus Uglitsch mit der Knute geschlagen und nach Sibirien verbannt, nachdem sie dem Volke den Tod des kleinen Thronfolgers Dmitrij verkündet hatte, des letzten Sohnes des Zaren Iwan des Schrecklichen [...]

1836 sollte die Glocke durch eine Hebevorrichtung des St.Petersburger Ingenieurs August Montferrand aus der Grube heraus geborgen und auf einen Weissen Steinsockel gestellt werden, doch der Versuch misslang, da die Trossen die Last nicht aushielten. Die Bergungsarbeiten mussten eingestellt werden.

Von der Idee besessen befahl der Meister die Anzahl der Winden zu erhöhen und die Trossen auszuwechseln und so wurde die Glocke am frühen Morgen des 23.Juli 1836 in 42 Minuten aus der Grube gehoben und auf das Postament gestellt.

Bis heute steht die Wunderglocke zu den Füssen des Glockenturms, welcher "Iwan der Grosse" genannt wird, und erinnert an die verwegene Kühnheit und Fantasie der russischen Meister. Geläutet hat sie zwar noch nie, dafür läuten andere Glocken über Moskau und erinnern an das Gebet, welches bei der Weihung jeder neuen Glocke gesprochen wird: "Lieber Herrgott, wo immer diese Glocke erklingen mag, verschwinden böse Pläne und Gedanken, Unglück, werden Blitz und Donner abgewendet, ebenso wie Armut und schlechtes Wetter sowie alle Stürme. Und wenn die Christensöhne den Klang der Glocke hören, wächst in ihnen der Glaube."



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