Die Glockenweihe

Wie alles, was die Kirche zum Gottesdienst verwendet, also ihrer weltlichen Bestimmung entzogen wird und zum Mittel göttlicher Gnade wird, pflegt man auch Glocken auf festliche Weise in ihren heiligen Dienst aufzunehmen.
Die Tatsache, dass sie aber nur von einem Bischof oder einem bevollmächtigten Priester geweiht werden kann, lässt erkennen, was für eine wichtige Funktion ihr zugewiesen wird. Der Bischof kann das Recht jedoch einem Stellvertreter übertragen.
Der eigentlichen Glockenweihe voraus geht die Weihe des Wassers. Nach einer Einleitung durch sieben Psalmen folgen in drei Abschnitten:
  1. Exorzismus und Weihe des Salzes
  2. Exorzismus und Weihe des Wassers
  3. Mischung von Salz und Wasser
Unter weiterer Rezitation von Psalmen, die alle Loblieder auf Gottes Grösse und Güte darstellen, werden die Glocken mit dem geweihten Wasser gewaschen, anschliessend noch mit Krankenöl und dem hl. Chrisam gesalbt und mit Thymian, Weihrauch und Myrrhe beräuchert.
Es ist ein alter Brauch, den zu weihenden Glocken, wie bei der Taufe, „Patinnen“ zu geben: Sie nimmt bei Beginn der Salbung neben der Glocke Platz, sodass diese zwischen Priester und Patin steht. Während der Salbung legt sie die rechte Hand auf die Krone der Glocke.
Wenn der Bischof die Salbung beendet hat, spricht die Patin ihren Widmungsvers und kehrt auf ihren Platz zurück.

Glocken werden immer für den Frieden geweiht, aber wie oft mussten sie das unschuldige Leiden, ja sogar den Tod der Menschen teilen und wurden zu Kanonen für Kriegszwecke umgegossen. Kaum ein Schriftsteller hat dies treffender gesagt als Reinhold Schneider, der unzähligen Soldaten mit seinen Sonetten Trost in die Schützengräben brachte und in seinem Buch "Das Inselreich" sich darüber äußerte. Es sind Worte, die wir auch für unser Dorf und unsere Stadt bedenken sollten. Da heißt es: "Verlieren die Glocken ihre Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr".



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