Glockennamen und -ornamentik

Jede Glocke ist ein Unikat, nicht nur in ihrem Klang und Ton, sondern auch in ihrer Verzierung und eigenen Umschrift.

Die Namensgebung ist sehr typisch für dieses Instrument und zwar nicht nur im kirchlichen Bereich. In der Fachliteratur ist zu lesen, dass Papst Johann XIII (967-72) in Gegenwart der Kardinäle die grosse Glocke der Laterankirche in Rom geweiht und sie Johannes genannt haben soll und somit auch den Anstoss gegeben hat Glocken den Namen von Heiligen zu geben oder sie nach religiösen Geheimnissen zu bezeichnen. Im Allgemeinen erfolgt die Namensgebung nach einem der folgenden Kriterien:

  • Funktion:
    im profanen Bereich: Gerichtsglocke, Sturmglocke, Wetterglocke, Mussglocke, Blutglocke (beim Herannahen eines Feindes)
    im kirchlichen Bereich: Vesperglocke, Osannaglocke, etc.
  • Zahl: Einserin, Fünferin, etc.
  • Klang oder Aussehen: Cantabona, Preciosa, grosse Pummerin, etc.
Es gelang den alten Glockengiessern erst nicht recht religiöse Inschriften oder Bilder darauf anzubringen. So waren es anfänglich nur unbeholfene Buchstaben, die in den Mantel der Gussform eingegraben wurden. Früher häufig gebrauchte lateinische Mantel-Inschriften lauten etwa:
  • O REX GLORIAE CHRISTE VENI CUM PACE (O Ehrenkönig Christus, komm mit Frieden)
  • AVE MARIA GRATIA PLENA (Gegrüsst seist du Maria, voller Gnaden)
Auf der "Schillerglocke", welche im Kreuzgang des Münsters Schaffhausen steht und Schiller selbst zu seinem inzwischen zahllos veröffentlichtem Gedicht "Von der Glocke" inspiriert haben soll, findet sich der Spruch
  • VIVOS VOCO, MORTUOS PLANGO, FULGURA FRANGO (die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich.)

Die ersten Inschriften wurden in romanischen Lettern angebracht. Erst mit der Anwendung der gotischen Schrift, vornehmlich anfangs des 16. Jahrhunderts, tauchen hie und da deutsche Inschriften und Texte auf. Auf den ältesten Glocken findet man meist weder Jahreszahl noch Giessernamen, daher ist es schwierig das Gussjahr jener Glocken zu ermitteln, es gibt jedoch auch Ausnahmen: so findet man beispielsweise in der alten gotischen Kirche zu Aigle eine Glocke mit der ehrwürdigen Zahl 1228.

Ab dem 14. Jahrhundert findet man meist die Angabe der Jahreszahl und von da an wird es auch allmählich Brauch die Namen des Giessers anzugeben.
Daneben tragen Kirchenglocken oft den Namen des Kirchenpatrons oder Stifters. Ab dem 12. Jahrhundert treten dann immer zahlreicher auch weibliche Namen, insbesondere Maria auf. Besonders in Europa enthalten Glocken meistens das Gussjahr, den Namen der Glocke und z.T. auch den Namen des Stifters oder des Giessers.

Die Schrift auf Turmglocken hat einen kulturgeschichtlichen Wert. Glockengiesser bannen meist beschwörende Verse und Wünsche in Schriftform auf die Schulter, Flanke oder Schlagring der Glocke.

Wenn der Text nicht ausreichte um das Schriftband gleichmässig und visuell ansprechend zu füllen, verwendete man oft Punkte, Kreuze, Rosetten, Engelsköpfchen, etc. zwischen einzelnen Wörtern. Ab dem 15. Jahrhundert mit zunehmenden Fertigkeiten im Handwerk und in der Kunst veredelt und bereichert sich dann auch der Glockenschmuck und macht einen Stilwandel durch.



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